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Adams Acht

120 minDramaFSK 12
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Ratzeburg, Ende der 50er Jahre. Eine Kleinstadt an der Grenze zur DDR – und der letzte Ort, von dem jemand eine sportliche Revolution erwartet. Hier unterrichtet Karl Adam Mathematik, Physik und Sport. Er trifft auf eine vaterlose Generation junger Männer, Außenseiter, die nicht wissen, wohin mit ihrer Wut. Adam sieht in ihnen, was sonst niemand sieht. Er setzt sie in einen Ruder-Achter und gibt ihnen eine Perspektive. Seine unkonventionellen Methoden führen zu ersten Erfolgen – doch die Funktionäre des elitären deutschen Rudersports belächeln und sabotieren ihn. Ruderer Hans Lenk kämpft zudem gegen eine Grenze, die immer unüberwindbarer wird: Seine große Liebe Ulla lebt nur wenige Kilometer entfernt, auf der anderen Seite des Ratzeburger Sees. In der DDR. Während der Kalte Krieg Schatten wirft, ringt Adams Team mit Erschöpfung, alten Schuldfragen und ideologischen Gräben. Doch Adam formt aus den Underdogs ein Team, das bei Olympia bereitsteht, Geschichte zu schreiben.
ADAMS ACHT erzählt eine bewegende Geschichte von Mut, Zusammenhalt und dem Kampf gegen Grenzen – und wie eine Gruppe Außenseiter bei den Olympischen Spielen 1960 für eine sportliche Sensation sorgte. Ein mitreißendes Underdog Drama und ein Stück großes Erzählkino. Für die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte versammelt Regisseur Hannu Salonen („Ich bin Dagobert“, „Oktoberfest 1900“) ein herausragendes Ensemble vor der Kamera: Oliver Masucci (SCHACHNOVELLE, ER IST WIEDER DA) in der Titelrolle des legendären Rudertrainers Karl Adam, Felix Kammerer (IM WESTEN NICHTS NEUES, FRANKENSTEIN) als Hans Lenk, der nachdenkliche Ruderer im Team, Svenja Jung (FLY, „Der Palast“) als dessen große Liebe, Ulla, und der für eine Lola nominierte Leonard Kunz („Das Boot“, „Ein Mann seiner Klasse“, DER TIGER) als vaterloser Hitzkopf Rulffs.

Was ist Rudern doch für ein schöner, eleganter Sport! Das gemeinsame Eintauchen der Blätter, das Drehen der Dollen, das Durchziehen der Riemen, der Druck der Beine, die Bewegung auf dem Rollsitz, das Dahingleiten des Bootes – besonders im Achter macht dieses Zusammenspiel visuell eine Menge her: acht Menschen, die im selben Moment dasselbe tun und dabei funktionieren müssen wie ein Uhrwerk, von der Anstrengung in Armen, Beinen und Bauchmuskeln ganz zu schweigen. „Was wollt ihr sein?“, ruft Karl Adam, Deutschlands berühmtester und erfolgreichster Rudertrainer, seinen Männern zu. „Eine Maschine!“, schallt es zurück. Wer jemals eine Regatta verfolgt hat, fünf oder sechs Achter nebeneinander, Fahrt aufnehmend, wird diese Faszination des Ruderns nie vergessen.

Über den Revolutionär des Rudersports

Karl Adam (1912-1976) hat in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre das Rudern in Deutschland revolutioniert. Er hat Ratzeburg zum „Mekka des Rudersports“ gemacht, er gewann zwischen 1959 und 1967 in verschiedenen Bootsklassen sieben Titel bei Welt- und Europameisterschaften und zwei Goldmedaillen bei Olympia. Am legendärsten ist der Sieg bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom, weil er so unerwartet kam – zu überlegen waren die Amerikaner in den Jahren zuvor. Von diesem Sieg und dem Weg dorthin handelt nun, nach einem Drehbuch von Stephan Falk und Domenik Pockberger, der Film von Hannu Salonen, den man vor allem als Regisseur von Fernsehserien wie „Oktoberfest 1900“ kennt.

Ratzeburg ist eine schleswig-holsteinische Kleinstadt in der Nähe von Hamburg, die Zonengrenze geht Ende der 1950er-Jahre mitten durch den See. Hier lehrt Karl Adam, charismatisch dargestellt von Oliver Masucci, als Oberstudienrat Mathematik, Physik und Philosophie. „Das Land braucht Lehrer“, sagt einmal jemand. Eigentlich will er den jungen Männern, die ohne Vater aufwachsen, das Boxen beibringen, um ihnen Halt und Perspektive zu geben. Doch der Bürgermeister versagt seine Unterstützung. Darum heuert Adam einfach im kleinen Ruderclub an und versammelt mehrere Jungen um sich, das sogenannte „Lumpenpack“, weil sie vom Elitegedanken anderer westdeutscher Clubs weit entfernt sind. Als studierter Physiker tüftelt er an Winkeln und Abmessungen der Boote, Riemen und Blätter, bewegt die Dollen (die die Riemen umschlossen halten) und verlängert die Länge des Rollsitz-Weges. Denn Adam will sich Respekt verschaffen und die Besten aus ganz Deutschland schlagen. Trainiert wird im Zweier, denn einen Achter kann sich der Club nicht leisten.

Die Vergangenheit ist noch nicht vergessen

Mit einem Leihboot gewinnen sie prompt die Deutsche Meisterschaft in Duisburg – zum Unwillen der Funktionäre des Deutschen Ruderverbands. Bei der Europameisterschaft in Polen schlägt den Sportlern der Hass der Bevölkerung entgegen, die Vergangenheit ist noch nicht vergessen, auch Adam muss sich ihr als ehemaliger Napola-Lehrer stellen. Darin verwoben sind die Liebesgeschichten des Schlagmanns Manfred „Gammel“ Rulffs (gespielt von Leonard Kunz) und des von Felix Kammerer porträtierten, sensiblen Bugmanns Hans „Ari“ Lenk (er wird später ein renommierter Soziologe, Philosoph und Sportwissenschaftler und hat über Adam und seine Zeit als Ruderer mehrere Bücher geschrieben), dessen Freundin auf der anderen Seite des Sees, also in der DDR, wohnt.

Die nun folgende Vorbereitung auf die Olympischen Spiele beleuchtet auch den unbarmherzigen Leistungsgedanken, der jedem Sport zugrunde liegt. Fünf der jungen Männer müssen das Boot verlassen, weil sie zu leicht sind. Weil diese fünf jetzt fehlen, entwickelt Adam die Idee der Bootsgemeinschaft mit anderen Clubs, jetzt sitzen Ruderer aus Kiel mit im Boot. Konflikte um Adams Vergangenheit („Ich hab’s mir zu leicht gemacht!“), die durch kurze Rückblenden ins Jahr 1944 belegt wird, und Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft halten die Handlung kurz auf, ein dramatischer Höhepunkt entsteht dadurch, dass das Sperrgebiet um den Ratzeburger See geräumt werden soll und Lenks Freundin darum umziehen muss.

Schuld, Zeitgeschichte und die Eleganz des Ruderns

Mit der Vielfalt seiner Themen, besonders der Schuld, die Adam auf sich geladen hat, und der bevorstehenden Abschottung der DDR ist Salonens Film reicher und anspruchsvoller als etwa Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“, in dem es auch darum ging, dass sich Deutschland nach 1945 mit sportlichem Erfolg in die Weltgemeinschaft zurückmeldet. „Gerade im Rudersport wird sichtbar, worum es auch gesellschaftlich geht: Teambuilding, Vertrauen und die Erkenntnis, dass man nur gemeinsam stark ist. Ein Achter funktioniert nur, wenn alle im selben Rhythmus arbeiten. Dieses Bild steht sinnbildlich für unsere Gesellschaft. Alle in einem Boot – dieser Gedanke zieht sich durch unseren gesamten Film“, sagt Produzent Ivo Alexander Beck.

Im Vordergrund steht aber der Sport, entstanden im Zusammenspiel mit namhaften Profi-Ruderern. Salonen und sein Kameramann Felix Cramer spüren der Eleganz des Ruderns nach, zeigen die unterschiedlichen Bewegungsabläufe und lassen die Blätter, von unten durchs Wasser aufgenommen, zeitgleich ins Wasser klatschen. „Wir fliegen!“, ruft einer der Acht. Besser kann man die Schönheit des Ruderns nicht umschreiben.

Veröffentlicht auf filmdienst.deAdams AchtVon: Michael Ranze (25.8.2026)
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