Vorstellungen
Filmkritik
Tokyo im Jahr 2019. Seit dem Ende des dritten Weltkriegs sind 31 Jahre vergangen, die zerstörte Metropole ist wiederaufgebaut. Gewalt und Terror beherrschen die Straßen, wobei sich jugendliche Motorrad-Gangs, revolutionäre Studenten und ein brutaler Polizei- und Militärapparat gegenseitig nichts schenken. Eher zufällig wird eine Gruppe Jugendlicher in ein militärisches Komplott verwickelt. Nach einem Motorradunfall kommt der draufgängerische Tetsuo in Kontakt mit einem greise Gesichtszüge tragenden Kind. Unmittelbar nach dieser Begegnung wird Tetsuo von Militärs abtransportiert und taucht nicht wieder auf. Daraufhin macht sich sein Freund und Bandenchef Kaneda auf die Suche. Mehrfach - und nicht ganz unfreiwillig - kreuzt er dabei den Weg der Studentin Kay, die sich als Angehörige einer Untergrundgruppierung entpuppt. Kay und ihre Mitverschwörer versuchen, dem "Akira-Projekt" auf die Spur zu kommen, einer Forschungsreihe zur militärischen Nutzung parapsychologischer Kräfte. Auch Tetsuo wird als menschliche Testperson festgehalten. Infolge dieser Experimente verfügt er inzwischen über Ansätze jener allein durch die Willenskraft gesteuerten Allmacht, mit der Oberst Shikishima sich selbst unumschränkte Herrschaft zu sichern hofft (und mit der "Akira" einst das alte Tokyo zerstört hatte). Gerade in dem Moment, als es Kaneda und Kay gelingt, ins strengbewachte Forschungszentrum vorzudringen, hat der Machtrausch vollständig von Tetsuo Besitz ergriffen. Er macht sich auf den Weg ins "Allerheiligste" der Militärs, das neugebaute Olympiastadion, wo man "Akira" selbst (bzw. seine Überreste) in Glasbehältern konserviert aufbewahrt. In einem überlangen apokalyptischen Showdown gelingt es Shikishimas Leuten, Tetsuo zu verwunden, ehe schließlich "Akiras" Energie freigesetzt wird, jegliches Leben zu vernichten droht und den außer Kontrolle geratenen Tetsuo in sich aufgehen läßt. 14 Millionen DM haben die Produzenten in die aufwendige Verfilmung von Katsuhiro Otomos Comic-Schöpfung "Akira" investiert - mit der erklärten Absicht, nichts weniger als einen Kultfilm mit der morbiden Atmosphäre des "Blade Runner" und einen Meilenstein in der Geschichte des Animationsfilms zu schaffen, vergleichbar allenfalls mit Disneys "Fantasia". Das Ergebnis wird allenfalls die ganz eingefleischten Action-, Science-Fiction- und Zeichentrickfans glücklich stimmen. In einem schwerverdaulichen Rundumschlag schlägt die Ikonographie "Akiras" einen Bogen von "Blade Runner" über "E.T." zurück zu "Denn sie wissen nicht, was sie tun". Im mageren Handlungsgerüst gehen gewalttätige Action-Orgien à la "Robocop" und verquaste pseudo-philosophische, mit sakralen Klängen unterlegte Exkurse eine allzu ärmliche Mischung ein, zu der die prätentiöse, bisweilen labyrinthartige Erzählstruktur in krassem Mißverhältnis steht. Nicht immer erweist sich auch die Übertragung des Comic-Rhythmus` in einen filmischen Erzählfluß als geglückt. Immer wieder gerät "Akira" durch ungeschickt "geschnittene" Übergänge aus dem Tritt. Seine stärksten Momente hat der Film dort, wo rasante Kamerafahrten durch monströs anmutende Straßenschluchten eine schwindelerregend "realistische" Tiefenwirkung vorgaukeln. Auch auf die Farbdramaturgie ist offenkundig einige Sorgfalt verwendet worden. Als gezeichneter Monumentalfilm mit dem Anspruch auf ein Stimmungsbild der Post-Punk-Ära läßt "Akira" allerdings die meisten Wünsche offen. Der allzu deutlich spürbare Kontrast zwischen formal-technischer Perfektion und inhaltlich-intellektueller Nicht-Relevanz ist auf enttäuschende Weise geeignet, hierzulande verbreitete undifferenzierte Vorurteile über ein ausschließlich technologiefixiertes Japan zu verstärken.











