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Call Me Queen

105 minDramaFSK 12
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Queen (Eliane Umuhire) ist eine selbstbewusste, willensstarke Frau, die sich mit ihren zwei Kindern im Nairobi der 1990er Jahre durchschlägt. Als sie der irischen Journalistin Anna (Denise Gough) begegnet, die als Auslandskorrespondentin in Nairobi arbeitet, entsteht zunächst eine unerwartete Verbindung und schließlich eine außergewöhnliche Freundschaft. Als klar wird, dass Queen an Aids erkrankt ist, ermöglicht ihr Anna den Zugang zu einer Behandlung. Queen überlebt, während ihre Freundinnen und Nachbarinnen weiterhin an den Folgen der Infektion sterben. Ihr Überleben wird für sie zur Verpflichtung: Sie beginnt gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen.

Quinta Achungo (Eliane Umuhire), die von allen nur Queen genannt wird, haust 1999 am Rande des Slums Korogocho in Nairobi. Ursprünglich stammt sie aus Ruanda, ist um die dreißig und von quirliger Natur. Quinta hat zwei Kinder, die sie nach dem Verschwinden ihres Mannes alleine großzieht. Bisher hat sie ihre Familie mit selbst gebrautem „Changaa“ über Wasser gehalten, einem unter Einheimischen beliebten alkoholischen Getränk, das allerdings verboten ist. Da dieses Geschäft auf Dauer nicht gut gehen kann, will Queen sich einen richtigen Job suchen – und steht eines Tages unangemeldet vor der Tür der irischen Journalistin Anna (Denise Gough).

Mit Hartnäckigkeit und Charme

Die Reporterin wohnt etwas abgeschottet auf einem Anwesen in den Vororten der Stadt. Sie wurde von ihrer Zeitung nach Kenia geschickt, um über die politischen Verhältnisse und Umwälzungen zu berichten. Ihr Lebenspartner ist meistens in den umkämpften Krisengebieten unterwegs. Annas einziger Angestellter ist ein Mann, der für Gartenpflege und das Haus zuständig ist. Als Queen sich als Hilfe anbietet, weist sie Anna ab. Doch Queen hat sich auf dieses Treffen gut vorbereitet. Sie flunkert Anna vor, bereits für ihren Vorgänger gearbeitet zu haben – und steht am nächsten Montag Punkt sieben Uhr auf der Matte.

Anna sträubt sich anfänglich gegen Queens Dienste, erliegt dann aber ihrer Hartnäckigkeit und ihrem Charme. Ihr Gewinn aus der sich anbahnenden Freundschaft ist weniger die Hausarbeit als Queens Verbundenheit mit den Slum-Bewohnern. Anna erhält dadurch Zugang zu einer Gesellschaftsschicht, die in der westlichen Berichterstattung kaum Beachtung findet. Die Ärmsten der Armen wissen oft nicht, wie sie zu einer Mahlzeit kommen, geschweige denn zu medizinischer Versorgung. Vor allem die täte dringend Not. Denn obwohl die medikamentöse Behandlung von HIV im Westen seit 1996 möglich ist, grassiert im Süden und Osten von Afrika nach wie vor eine ungebremste AIDS-Epidemie. Allein in Kenia, rechnet Queen vor, sterben 1999 täglich bis zu 700 Menschen, und ein Ende der Epidemie scheint nicht absehbar. Und das, obwohl der kenianische Präsident AIDS zur „nationalen Katastrophe“ erklärt hat.

Machtverhältnisse und persönliche Erfahrungen

Regisseurin Emily Atef greift in „Call Me Queen“ ein noch immer aktuelles Thema auf. Dem Film liegt der Roman „Mercy“ (2007) von Lara Santoro zugrunde, die einige Jahre als Auslandskorrespondentin in Nairobi gearbeitet hat. Im Hintergrund der Geschichte spielen die um die Jahrtausendwende herrschenden geo- und wirtschaftspolitischen Machtverhältnisse mit, die verhindern, dass die Pharmaindustrie erschwingliche HIV-Medikamente in Afrika auf den Markt bringt.

Anna ist das als Journalistin durchaus bewusst. Queen aber kennt bloß das, was sie selbst erlebt und beobachtet: die Unsicherheit und das Misstrauen, das unter den Bewohnern von Korogocho herrscht. Das einsame Dahinsiechen und Sterben von AIDS-Erkrankten, unter denen sich auch Jugendliche befinden. Die vielen verwaisten Kinder, die mit ihren Eltern auch ihr Zuhause verloren haben. Vor allem die Angst von Frauen, die zwar um ihre HIV-Ansteckung wissen, diese aber aus Scham und Furcht vor möglichen Repressionen, etwa dem drohenden Jobverlust, geheim halten.

Emily Atef porträtiert Queen und Anna als zwei engagierte Frauen, die sich in Hautfarbe und durch die Herkunft unterscheiden und deren Teilhabe an der Gesellschaft durch Klassenunterschiede mitbestimmt wird. Die Ruanderin Eliane Umuhire und die Irin Denise Gough spielen das mit Mut und Überzeugung. Den Situationen ihrer Figuren entsprechend, vertreten sie oft unterschiedliche Standpunkte und Meinungen. Manchmal streiten sie sich und verlieren sich darüber eine Zeit lang aus den Augen. Die Sorge füreinander aber lässt sie stets wieder zueinanderfinden; den politischen Kampf gegen AIDS beziehungsweise die Wirtschaftslobby führen sie eisern weiter.

Alles, was die Situation verbessert

Die anfänglich eher persönliche Erzählung über das Zusammenfinden der beiden Protagonistinnen weitet sich im Verlauf von „Call Me Queen“ zu einem größeren gesellschafts- und weltpolitischen Zusammenhang. Angetrieben wird das von den persönlichen Erfahrungen der beiden Frauen: Annas Zusammenbruch und ihre bodenlose Trauer nach dem Tod ihres Partners bei einem Fronteinsatz, der Ausbruch von Queens HIV-Infektion. Queen überlebt den akuten Krankheitsschub nur dank Annas Unterstützung, die sie in einem Spital unterbringt und ihr auch später durch die Medikamente ein halbwegs beschwerdefreies Leben organisiert.

Queen, die sich bislang wie die anderen Frauen kaum aus der Deckung wagte, setzt fortan alles Mögliche in Gang, um die Situation in Kenia zu verbessern. Mit Unterstützung von Pater Alexis (Danny Sapani), ihren Freundinnen und Anna stampft sie eine „Graswurzelbewegung“ aus dem Boden, wie sie zu dieser Zeit auch andernorts in Afrika entstehen. Einer der auch bildlich eindringlichsten Momente zeigt den von Queen initiierten Demonstrationszug aus den Slums ins Zentrum von Nairobi, der nicht nur von Parolen, sondern auch von Musik, Tanz und Gesängen begleitet wird.

„Call Me Queen“ ist ein vielschichtiger Film, der sehr unterschiedliche Themen aufgreift. Seine Erzählung kommt entsprechend sprunghaft daher, und manches wird nur flüchtig angetippt, etwa die geopolitisch begründeten Positionen der Pharmaindustrie. Andererseits führt „Call Me Queen“ in Begleitung von Queen und Pater Alexis unbeschönigt in die düsteren, übelriechenden Winkel des Slums. Der Film schreckt dabei nicht vor Bildern des Elends zurück, etwa dem Dahinsiechen und einsamen Sterben in schummrigen Hütten. Oder dem Moment, in dem Anna die Nachricht vom Tod ihres Lebenspartners erhält. Der Film zeigt auch medizinische Einrichtungen, die dem Ansturm der vielen Patienten kaum gewachsen sind. Und das Spital und das Krankenzimmer, in dem Queen mit vielen anderen liegt und als einzige an einen lebensrettenden Tropf hängt, während die junge Frau im Bett neben ihr für immer einschläft.

Ein mitreißendes Plädoyer

„Call Me Queen“ geht ans Herz und löst Betroffenheit aus, wirkt als Film aber nicht bedrückend, sondern eher beschwingt. Das verdankt er seinem erzählerischen Fokus, der auf der (Zivil-)Courage, der Resilienz und der Kraft im Kampf gegen die Pandemie und die (unlauteren) Machenschaften der Pharmaindustrie liegt. Keine leichte Kino-Kost, aber ein gegen Ende zunehmend mitreißender Film als Plädoyer für eine gerechtere Welt – in der das Engagement Einzelner ganze Gruppen dazu bringt, für humanere Werte und Lebensbedingungen einzustehen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deCall Me QueenVon: Irene Genhart (7.10.2026)
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