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Harold und Maude / engl.m.dt.Ut

91 minDrama, Komödie, LovestoryFSK 12
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Was ist der größte Spaß im Leben, wenn man eine gehoben-bürgerliche Mum hat, die alles daran setzt, ihren Sohn für das amerikanische Leben in der guten Gesellschaft vorzubereiten? Ganz einfach: Man versucht alles, um die Mutter an einem verzweifeln zu lassen. So auch Harold. Seine besondere Vorliebe gilt dem Vorspielen von Selbstmordversuchen und dem Besuch von Begräbnissen. Diese Nekrophilie läßt ihn die fast achtzig Jahre alte Maude kennen und lieben. Die exzentrische Alte mit ihrer anti-bürgerlichen Haltung öffnet Harold eine vollkommen neue Welt. Am Ende steht eine Liebe bis in den Tod und ein Filmklassiker.

Der Film beginnt fast wie eine "schwarze Komödie" englischer Herkunft: Harold Chasen (Bud Cort), lieblos erzogener Sohn reicher Eltern, erschreckt seine Umgebung mit fingierten Selbstmorden und verbringt seine Zeit am liebsten bei Begräbnissen, zu denen er in einem Leichenwagen fährt. Die Bemühungen eines Psychologen, den depressiven Sonderling von seinen Manien zu heilen, bleiben ebenso erfolglos wie die Versuche der dümmlichen und herrschsüchtigen Mutter, für den Sohn durch ein Vermittlungsinstitut eine Lebensgefährtin zu finden: Harold schlägt die ihm vorgestellten jungen Damen mit seinen makabren Scherzen in die Flucht. Nur eine Person findet sein Vertrauen und bald auch seine Liebe: Maude (Ruth Gordon), eine aus Wien stammende, schrullige, bald achtzigjährige, aber immer noch unternehmungslustige alte Dame, die in einem bizarr ausstaffierten Eisenbahnwagen lebt und ihre Verachtung des Privatbesitzes gelegentlich mit der "Enteignung" eines Automobils demonstriert. Maude lehrt Harold, sich von den Zwängen einer in Konventionen erstarrten Gesellschaft zu befreien und das Leben, so wie es sich ihm von Fall zu Fall gerade bietet, in vollen Zügen zu genießen. Das ungleiche Paar setzt sich in Form einer privaten Revolte von der Umwelt ab und narrt mit seinen abstrusen Streichen nicht nur die Polizei, sondern auch Harolds Onkel Victor, einst die "rechte Hand" General MacArthurs, der den mißratenen Neffen gerne ins Militär stecken möchte. Wie Harold ernsthafte Heiratsabsichten zu äußern beginnt, entzieht sich ihm Maude durch den Tod. - Die liebenswürdige Direktheit, mit der Ruth Gordon die Rolle der Maude interpretiert, die modischen Songs von Cat Stevens, die die Handlung allerdings eher unterbrechen als begleiten, nicht zuletzt aber wohl die trotz ihres leicht anarchistischen Anstrichs pragmatische Lebensphilosophie, für die hier geworben wird, haben dem Film im Ausland bei Presse wie Publikum einen überraschenden Erfolg eingetragen. Mit etwas mehr Schliff und weniger verbal geäußerter Philosophie hätte Hal Ashby aus seiner Vorlage zweifellos einen anspruchsvollen Unterhaltungsfilm machen können, eine Charakterkomödie von leicht makabrem Zuschnitt. Der Individualismus, der in "Harold und Maude" so plakativ angepriesen wird, hätte sich, um überzeugen zu können, aus der Handlung ergeben müssen. Die zwischen Pioniergeist und Hippiephilosophie liegende Lebensbejahung, zu der Harold so ostentativ getrieben wird, steht nicht zuletzt deshalb auf schwachen Füßen, weil ausgerechnet Maude, die "positive" Heldin des Films, sich am Ende den Beschwernissen des Alters und der fällig werdenden Lösung von ihrem jungen Freund durch den Freitod entzieht. Damit gewinnt endgültig jene Unverbindlichkeit die Oberhand, die den Hintergrund der sonst einfallsreichen und unterhaltsamen Komödie bestimmt.

Veröffentlicht auf filmdienst.deHarold und Maude / engl.m.dt.UtVon: Gerbart Waeger/Zoom (28.7.2026)
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