Zum Hauptinhalt springen

Insidious

102 minThriller, HorrorFSK 16
Tickets
Szenebild von Insidious 1
Szenebild von Insidious 2
Szenebild von Insidious 3
Szenebild von Insidious 4
Szenebild von Insidious 5
Szenebild von Insidious 6
Szenebild von Insidious 7
Szenebild von Insidious 8
Szenebild von Insidious 9
Szenebild von Insidious 10
Als Renai und Josh Lambert mit ihrem Sohn Dalton in ein großes, herrschaftliches Haus ziehen, scheint für die kleine Familie damit ein lang ersehnter Traum endlich in Erfüllung zu gehen. Leider wird der jedoch schnell zu einem echten Albtraum, als merkwürdige Geschehnisse ihren Lauf nehmen und Dalton schließlich ins Koma fällt. Der einzige Ausweg scheint deshalb ein Umzug zu sein. Aber lassen sich die dunklen Mächte wirklich einfach so in dem Haus zurücklassen oder haben sie es nicht vielleicht auf etwas ganz anderes abgesehen? (j.b.)
  • Veröffentlichung20.07.2011
  • James Wan
  • 2011
  • 6.9/10 (6081) Stimmen

In den Suburbs der großen US-amerikanischen Städte lebt es sich offensichtlich unbeschwerter, zumal wenn man drei Kinder und eine stressige Arbeit als Lehrer hat wie Josh oder zwischendurch auch mal Ruhe zum Songschreiben braucht wie Renai. Bei den Lamberts scheint ein Traum in Erfüllung gegangen zu sein, als die Familie endlich ein Häuschen mit Vorgarten ergattert. Es ist alt, aber nicht zu alt, verwinkelt, aber modern genug geschnitten, um nicht unübersichtlich zu erscheinen. Trotzdem fiel Renai ein Speicher erst auf, als sie eines Morgens am Klavier saß und von oben undefinierbare Geräusche erklangen. Seltsame Dinge geschehen in dem Haus; immer dort, wo die Erwachsenen gerade nicht hinschauen. Die Kinder bekommen als erste mit, dass hier etwas Fremdes mit eingezogen ist. Die gebrochene Leitersprosse ist denn auch nicht der wahre Grund dafür, dass der achtjährige Dalton im Speicher den Halt verlor. Seine Eltern konnte er nicht mehr warnen; nun liegt er seit drei Monaten im Koma. Während dieser Zeit haben sich die Lamberts so weit eingerichtet, dass sie den reglos schlafenden Jungen nach Hause holen. Die seltsamen Begebenheiten sind nahezu vergessen, doch schon die erste gemeinsame Nacht ist die letzte, in der sie in ihrem Haus friedlich das Licht löschen. In den Vor- und Kleinstädten haust hinter dem Deckmantel der Idylle das Böse. Zumindest, wenn man dem aktuellen Trend paranormaler Geistergeschichten glaubt, die inzwischen mit großem Erfolg die Leinwände heimsuchen. Seit mit „Blair Witch Project“ (fd 33 983) das Home Horror Movie im Kino hoffähig wurde, werden zufällige – oder mit Konzept – aufgestellte HD-Kameras Zeugen unerklärlicher Details, wenn die Familien gerade schlafen. Auch James Wan ergibt sich diesem nicht immer überzeugenden Gruselsujet aus Handkameras, schlagenden Türen und wahnsinnig werdenden Familien. Doch der Regisseur, der mit „Saw“ (fd 36 902) und als Produzent der sechs Folgeteile zum Multi-Millionär wurde, verlässt die ausgetretenen Pfade der „Paranormal Activities“, und das auf überraschend ungewohnte Weise. „Insidious“ (zu deutsch: „heimtückisch“) ist kein bluttriefendes Werk, in dem ein Teufel die Eingeweide seiner Opfer offen legt; auch verlässt sich der Film nicht auf statische Kameras, flirrende Bilder und das Grauen aus dem Off, geschweige denn auf chronologische Einblendungen; ebenso wenig sucht er in Einzelereignissen jene Schockelemente, die mit der x-ten knarrenden Tür zu ermüden beginnen. Vielmehr operiert „Insidious“ mit einer traditionellen Kameraführung, wobei die Kamera die Rolle des Zuschauers als Augenzeuge einnimmt, sowie mit einer betont „altmodischen“ Geschichte mit Charakteren und Tragödien, Vorgeschichten und Plotpoints – ein Film eben und keine (angeblich objektive) Sammlung aus Webcams. Wan kennt die Horrorfilmgeschichte jenseits der „Torture Porn“-Filme, die mit Horror eigentlich nichts zu tun haben. Er scheint Filme wie „Der Exorzist“ (fd 18 987), „Amityville Horror“ (fd 22 315) oder „Poltergeist“ (fd 22 664) zu bewundern; zumindest bedient er sich deren Ingredienzien. So gibt es eine alte Freundin von Joshs Mutter Lorraine, die als Spezialistin für übernatürliche Erscheinungen das Haus observiert und erkennt, dass nicht im Gemäuer, sondern in Dalton etwas Grauenhaftes wohnt: Tobe Hooper und Steven Spielberg lassen grüßen! „Insidious“ lebt nicht von mutmaßlichen, sondern von handfesten Dämonen, die für Augenblicke auch mal ihre Fratzen in die Kamera halten. Der Schock ist hier nicht immer nur ein Produkt des Sounddesigns, sondern entwickelt sich aus einem dunklen Geheimnis, das Lorraine eigentlich auf ewig für sich behalten wollte. Mit „Insidious“ besinnt sich der US-amerikanische Horrorfilm auf seine Wurzeln – jenseits japanischer Geistergeschichten und der endlosen Gewaltspirale. Das ist wohltuend, weil tatsächlich unheimlich.

Veröffentlicht auf filmdienst.deInsidiousVon: Jörg Gerle (25.8.2026)
Über filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de