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Lost country , OmeU

Drama
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Jugoslawien im Jahr 1996. Der 15-jährige Stefan (Jovan Ginic) ist bei seinen Großeltern auf dem Land in der Nähe von Belgrad und fühlt sich dort sichtbar wohl als in der Stadt. Sein Großvater redet von seinen Zeiten als Partisan. Später wird Stefan von seiner Mutter Marklena (Jasna Duričić) abgeholt, die in diesen Novembertagen wenig Zeit hat, denn soeben hat der zweite Wahlgang der Kommunalwahlen stattgefunden; sie ist die Pressesprecherin der serbischen Sozialisten um Präsident Slobodan Milošević. Mutter und Sohn verbindet ein sehr inniges und vertrautes Verhältnis. Marklena nennt Stefan stolz „mein Anhängsel“, wenn der große Junge sich an sie kuschelt und körperliche Nähe sucht.

Zunächst bleibt die Kamera dicht am jugendlichen Protagonisten. Jeden Morgen holt Stefan seinen besten Freund ab, mit dem er auch gemeinsam in einem Wasserballclub spielt. In den Schulalltag dringt immer mehr die aktuelle Tagespolitik. In den oppositionellen Medien redet man vom Sieg der Opposition bei den Wahlen, die in den Großstädten vorne liegen. Offiziell hält die Regierung die Wahlergebnisse zurück und verbietet das Erscheinen einer kritischen Zeitung. Stefan bekommt das durch seinen Freund mit, dessen Bruder die Studentenproteste mitorganisiert. Einige Schüler wollen sogar den Unterricht schwänzen und sich an den Demonstrationen gegen die Wahlmanipulation beteiligen. Sie drucken Flugblätter, die Stefan mit verteilt. Einige seiner Mitschüler fragen ihn nach seiner Mutter Marklena. Schon ihr Name ist Programm und ist eine Referenz an Marx und Lenin. Aber Stefan beschwichtigt und streitet ab. Seine Mutter habe mit der Pressesprecherin nichts zu tun. Aber lange kann er diese Lüge nicht aufrechterhalten. Zudem überschlagen sich die politischen Ereignisse. Die Sozialisten fechten die Wahl an und drängen auf einen dritten Wahlgang. Demonstranten werden von der Polizei verprügelt und verhaftet. Die politische Zuspitzung verwirrt Stefan immer mehr. Alle seine Freunde schließen sich den Protesten an, während seine Mutter mit ihren immer radikaleren Auftritten zur Hassfigur vieler Serben wird.

Mutterliebe & Machtinstinkt

Meisterhaft verbindet Regisseur Vladimir Perisic die große Politik mit einer toxischen Mutter-Sohn Beziehung und zeichnet zugleich einen sehr intimen und subtilen Coming-of-Age Film. Die Zerrissenheit des jugendlichen Protagonisten wird immer dann deutlich, wenn er die Lügen der Mutter spürt. Immer wieder will er mit ihr über etwas sehr Wichtiges sprechen; sie aber hat dafür aber keine Zeit. Jasna Duričić spielt die charismatische Pressesprecherin mit einer Mischung aus warmherziger Mutterliebe und eiskaltem, kalkuliertem Machtinstinkt.

Vladimir Perisic weiß, wovon er erzählt. Seine eigene Mutter war unter Milošević Kulturministerin. Wie sehr die Politik Familien entzweien kann, ist nicht nur in postkommunistischen Ländern wie Serbien, Ungarn oder Polen ein brennendes Thema. Perisic filmt sehr anschaulich, wie in polarisierten Gesellschaften Freundschaften zerbrechen und auf beiden Seiten dumpfe Wut und Hass grassieren. Zunehmend wird auch Stefan von seinen Freunden gemobbt und ausgeschlossen. Bei einem Testspiel seines Wasserballclubs bekommt er keinen einzigen Pass. In einer grandiosen Szene versinnbildlicht der Film dies, wenn sich der Jugendliche immer wieder freischwimmt und den Ball reklamiert, aber auch in aussichtsreichster Schussposition nicht angespielt wird.

In einer weiteren Schlüsselszene fahren Mutter und Sohn mit einem Taxi zum Geburtstag des Großvaters. Den eigenen Wagen können sie nicht mehr benützen, weil Unbekannte die Reifen zerstochen haben. Der Taxifahrer schimpft auf die Kommunisten. Als er Marklena erkennt, nennt er sie eine Schlampe und wirft sie aus dem Taxi. In diesem Moment verteidigt Stefan die Mutter und steht zu ihr. Auf der Geburtstagsparty sind jedoch fast nur stramme Sozialisten versammelt, was den Jungen zur spontanen Flucht treibt. Er trifft sich lieber spontan mit der hübschen Hanna (Ana Simeunovic), die in der Schule auch als Außenseiterin gilt. Beide verstehen sich gut. Sie wird zu seiner ersten Freundin. Allerdings vermeidet der Junge es, Hanna die Wahrheit über seine Mutter zu sagen. Deshalb ist auch diese zarte Liebe bedroht. Jovan Ginic vermittelt eindringlich, wie schwer es Jungen in seinem Alter fallen kann, sich zu öffnen und ihre Gefühle in Worte zu fassen.

Ästhetisch klar komponierte Bilder

„Lost Country“ ist nach der Serie „Das Attentat - Geheimoperation Belgrad“ über den ermordeten Politiker Zoran Džindzić schon die zweite serbische Produktion, die an das Ende der Ära Milošević erinnert. Der Film besticht auch ästhetisch mit klar komponierten Bildern und natürlichen Farben. Ein überdurchschnittliches Drama, bei dem nur das Ende ziemlich eindimensional geraten ist; dass die Proteste auf der Straße 1997 kurzzeitig von Erfolg gekrönt waren und den Beginn des autokratischen Systems einläuteten, wird nicht mehr thematisiert.

Veröffentlicht auf filmdienst.deLost country , OmeUVon: Jörg Taszman (19.9.2026)
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