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Filmkritik
Das Thema von „Manipulation“ ist zweifellos virulent. Der junge tschechische Filmemacher David Balda greift die Hochkonjunktur der Manipulation auf: Heute ist jede Information potentiell verfälscht und daher verdächtig. Balda kleidet seine zeitkritisch gemeinte Auseinandersetzung damit in einen Mystery-Thriller im Fahrwasser von Dan Brown, in dem sektenhafte Elitegesellschaften und ein Kirchenorden insgeheim die Geschicke der Welt beeinflussen. Die Idee ist weder neu noch spannend umgesetzt, visiert mit englischer Sprache aber die internationale Bühne an.
In die Geheimgesellschaft hineingeboren
Katakomben in Prag, sakrale Klänge: In rote Kutten gehüllt, steht ein Dutzend Männer neben Kerzenleuchtern im Halbkreis. Mit einem Ritual nehmen sie Matteo (Radoslav Gavlas) in ihre Bruderschaft auf. Der blonde Jüngling wurde in die Geheimgesellschaft hineingeboren und schwört dem Meister (Pawel Lawrynovicz) nun offiziell die Treue. Um seine Vertrauenswürdigkeit zu beweisen, soll er den mächtigen Kirchenvater Vitus (Heino Ferch) in den Zirkel holen. Allerdings steht der von Vitus geleitete Geheimorden innerhalb der Kirche seit Jahrhunderten in Feindschaft mit dem Kult. Der Geistliche Juraj (Féodor Atkine) legt deshalb ein Veto ein. Dessen Tochter Anna (Anna Ctvrtnícková) wiederum stößt Matteo darauf, dass er Teil einer gefährlichen Sekte ist. Auch das skrupellose Vorgehen seiner Leute sät Zweifel.
Beim Studium in Bologna soll Matteo sich besinnen. Doch dort klärt ein Professor (Pavel Kriz) ihn über Sekten auf und dem jungen Mann dämmert, dass er ein Teil böser Machenschaften ist. Um die Welt zu warnen, arbeitet er mit einem Investigativjournalisten (Arnaud Binard) zusammen.
Über die Maßen redselig
Der Plot klingt komplizierter, als er ist – dabei wurde der sagenhafte „Stein der Weisen“, den alle haben wollen, noch gar nicht erwähnt. In Wahrheit tut das unter anderem vom Regisseur selbst verfasste Skript nur verworren, um raffiniert zu erscheinen. Der Handlung zu folgen fällt dennoch schwer. Das Problem: „Manipulation“ ist über die Maßen redselig. Die jeweiligen Agenden der vielen Charaktere eröffnen sich in einer ermüdenden Aneinanderreihung von Unterredungen. Ständig schmiedet jemand Pläne. In Kirchen, Schlössern oder Hinterzimmern, oft im herrschaftlichen Büro des Meisters, das einmal gleich drei Untergebene hintereinander aufsuchen: Wie im Theater tritt einer ab, der nächste auf, ab, auf – die Drehbuchwarteschlange leert sich.
Alles Gesagte klingt außerordentlich wichtig und weltbewegend, aber diffus. Die Sekte strebt nach Macht und Stärke; der Hebel dafür sind Informationen. Vitus hingegen will den Einfluss der modernen Welt auf die Kirche unterbinden. Viel fassbarer wird es nicht. Die Männerbünde köcheln in ihrem eigenen Sud, die von ihnen ausgehende Bedrohung bleibt Makulatur.
Dem Sektenmeister mundet es
Als Psychogramm eines Sektenaussteigers ist der Film ebenfalls misslungen. Einerseits nimmt das vielköpfige Figurengeflecht, das an die verzweigte Dramaturgie einer Serie erinnert, dem Protagonisten Matteo viel Leinwandzeit. Außerdem ist der Hauptdarsteller Radoslav Gavlas mit seiner Rolle überfordert, was gewiss auch der schwammigen Charakterentwicklung im Drehbuch geschuldet ist, an die sich emotional kaum andocken lässt. Die schauspielerischen Leistungen sind generell durchwachsen. Heino Ferch bleibt in seiner Rolle als Kirchenintrigant Vitus reichlich eindimensional. Dasselbe gilt für Pawel Lawrynovicz als machtversessener Sektenmeister. Ab und zu genehmigt er sich eine mysteriöse Flüssigkeit, die ihm offenbar sehr mundet. Die theatralische Mimik in den betreffenden Momenten sorgt für ungewollte Schmunzler.
Die meiste Zeit über praktiziert David Balda das exakte Gegenteil der unter Filmschaffenden verbreiteten Losung „Show, don’t tell“. Die Kernaufgabe der Kamera beschränkt sich darauf, die sprechenden Personen lehrbuchhaft in Nah- und Porträtaufnahmen, Schüssen und Gegenschüssen abzufilmen. Der Ansatz einer filmischen Vision blitzt allenfalls bei der atmosphärischen Gestaltung auf. Balda setzt auf mittelalterliche Drehorte, die er oft aus Vogelperspektiven von schräg oben etabliert. Ein Großteil des sehr farbentsättigten Films spielt im Zwielicht, das von Kerzen erleuchtet ist. Dazu läuft unentwegt eine geheimnisvoll klingende Musik, die sich rasch abnutzt.
Verfolgungsjagd durch eine Prager Gasse
Zum Ende hin wird „Manipulation“ zum Paranoia-Thriller. Der Höhepunkt ist eine Verfolgungsjagd durch eine schmale Prager Gasse, bei der die Kamera actionreich wackelt. Eine Wendung gibt es dann auch noch. Doch weil das Interesse an den langatmigen Intrigen gering ist, interessiert auch die Verschwörung in der Verschwörung wenig. Stattdessen spricht das leitmotivisch eingefügte Uhrticken zum Publikum: Mit jeder Sekunde rückt der Abspann näher.








