Pressure








- Veröffentlichung17.09.2026
- RegieAnthony Maras
- ProduktionVereinigte Staaten (2026)
- OriginalspracheEnglisch
- IMDb Rating7.3/10 (29012) Stimmen
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Wenige Tage vor dem D-Day herrscht im Hauptquartier der Alliierten in Hampshire in Großbritannien angespannte Betriebsamkeit. Als der britische Chefmeteorologe Captain James Stagg (Andrew Scott) im Southwick House eintrifft, steht der Termin für die größte amphibische Landungsinvasion in der Geschichte bereits fest: Montag, der 5. Juni 1944. Die sogenannte „Operation Overlord“ ist von der Militärführung unter US‑General Dwight D. Eisenhower (Brendan Fraser) bis ins kleinste Detail durchgeplant. Nur einen Faktor gilt es noch einzurechnen: das Wetter. Stagg soll eine „verlässliche“ Prognose erstellen.
Ein Thriller um das Wetter
Die Wissenschaft der Wettervorhersage spielte im Kriegsfilm bisher eher keine Rolle. „Pressure“ könnte so gesehen das Pionierwerk eines möglicherweise neuen Subgenres sein. Der Film erzählt den D-Day aus meteorologischer Perspektive – und macht aus dem Zusammenspiel von meteorologischer Arbeit, tatsächlicher Wetterentwicklung und politischen beziehungsweise militärischen Entscheidungen einen Thriller. Trotz des Wissens um Verlauf und Ausgang der historischen Operation gelingt das erstaunlich gut. Was vielleicht auch mit der Wahrnehmungsveränderung in Zeiten des Klimawandels zu tun hat. Allein das Wort „Jetstream“ klingt heutzutage beunruhigend genug, um eine gewisse Spannung zu erzeugen. Dabei spielt sich der überwiegende Teil des Films in Innenräumen ab – über Schreibtischen, Registriermaschinen und Wetterkarten.
Der australische Regisseur Anthony Maras verdichtet die sich über Wochen und Monate erstreckenden Ereignisse auf wenige Tage und einen zentralen Konflikt. Mit dem hochernsten, etwas spröden Schotten Stagg und seinem prahlerischen US- Kollegen Irving Krick (Chris Messina) prallen nicht nur zwei gegensätzliche Charaktere aufeinander; auch ihre Arbeitsmethoden sind völlig konträr. Krick, der sich dafür rühmt, nie falsch gelegen zu haben – er zieht Kriege in Nordafrika heran, aber auch seine Arbeit für die Dreharbeiten von „Vom Winde verweht“ – arbeitet mit analogen Karten und stützt seine Prognosen auf jahrzehntealte Messdaten. In den Augen von Stagg, der ausschließlich aktuelle Daten unterschiedlicher Wetterdienste auswertet, ist das „Horseshit“.
Was den Verlauf der Geschichte ändert
Seiner etwas absurden Prämisse, den Verlauf der Geschichte und das Schicksal der freien Welt auf eine einzige Wettervorhersage zurückzuführen, begegnet der Film mit nur verhaltener Ironie. Maras greift auf eine konventionelle Erzähldramaturgie zurück und setzt auch stilistisch auf Erwartbares: polierte Bilder, vorantreibende, donnernde Musik, durch zügige Gänge dynamisierte Passagen, Arbeitshektik und hitzige Wortgefechte im Wechsel mit ruhigen Passagen von gravitätischem Ernst.
Bei der entscheidenden Sitzung sagt Krick schönes Wetter und blauen Himmel voraus. Stagg, ganz der verantwortungsbewusste Wissenschaftler – und Sympathieträger des Films –, sieht dagegen verlässliche Anzeichen für heftige Stürme mit Wellengang, Nebel und Starkregen. Zum großen Unmut der alliierten Führung rät er zu einer Verschiebung der Invasion. General Eisenhower, dem das desaströse Übungsmanöver „Tiger“ auf dem Gewissen lastet, folgt seinem Rat und sagt den geplanten D-Day ab – mit dem Risiko, dass deutsche Aufklärungsflugzeuge die Invasionsflotte entdecken könnten. Seine Selbstzweifel, von Brendan Fraser mit gewohnt souveränem Schauspielpathos gespielt, versucht er hinter einer zuversichtlichen Fassade zu verbergen. Seiner persönlichen Sekretärin Kay Summersby (Kerry Condon) kommt die etwas undankbare Mediatorinnenrolle zu. Sie muss nicht nur ihren Vorgesetzten Eisenhower emotional stärken, sondern auch zwischen den Egos von Krick und Stagg vermitteln.
Ein wissenschaftlicher Sieg mit Blitz und Donner
Am Sonntag vor der abgesagten Invasion trifft sich die Militärführung beim Kirchgang. Der Himmel ist strahlend blau, Sonnenlicht fällt durch die Glasfenster. Stagg wandert grübelnd durch den Garten, als sich der Wetterumschwung vollzieht. Ein sanfter Windstoß erfasst Staggs Vorderhaar, die Blätter beginnen zu rascheln, der Himmel verdunkelt sich. Wenig später folgen Blitz, Donner, Sturm und Regen.
Nach diesem zum wissenschaftlichen Sieg aufgebauschten Moment gibt sich der Film übertrieben demütig. Stagg und Krick raufen sich doch noch zu echten Teamarbeitern zusammen, wenn sie für den 6. Juni überraschenderweise eine kurze Schönwetterperiode prognostizieren – gerade lang genug, um die Invasion durchführen zu können (der nächste Termin wäre wegen der Tiden erst 12 Tage später möglich gewesen). Unnötig angepappt an den Wetterkriegsfilm wirken die Bilder der Landung der alliierten Soldaten an der französischen Küste und der anschließenden Gefechte.
Vielleicht seien Wettermänner langweilig, meint Stagg einmal, nicht aber das Wetter: „Wie kann es langweilig sein. Es bestimmt unser Leben.“

