Runner








- Veröffentlichung17.09.2026
- RegieScott Waugh
- ProduktionVereinigte Staaten (2026)
- IMDb Rating6.7/10 (1563) Stimmen
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Heute ist Ben Bishop (Owen Wilson) ein Held. Dafür muss er sich eigentlich nicht mal anstrengen. Der Privatjet hat ihn aus den USA ins australische Brisbane transportiert, mit allen dazugehörigen Annehmlichkeiten, inklusive eines Flirts mit der alleinerziehenden Stewardess. Von hier an aber soll Hank (Alan Ritchson) übernehmen. Der Ex-Navy-Seal hat mit Heldentum eigentlich nichts mehr am Hut. Der Gewalt hat er abgeschworen, und seit einem Jahr auch dem Alkohol. Beständigkeit ist das neue Hauptgebot in seinem Leben. Die Mahlzeiten sind fertig abgepackt, die Pausen werden streng eingehalten, und bei den täglichen „Runner“-Jobs, die sich mit dem Ausliefern sensibler Ware befassen, lässt er sich weder aus der Ruhe noch vom Ziel abbringen. Das dritte und letzte Paket dieses Tags birgt allerdings eine Überraschung, die alles auf den Kopf stellt. Zunächst empfängt Hank den angekündigten Organ-Transportbehälter nicht allein, sondern auch den Mann, der ihn trägt. Den Mann, der zum Helden wird, wenn er ihn im Krankenhaus abliefert.
Abweichen von der vorgesehenen Route
Das bringt die nächste Überraschung mit sich. Laut Hanks Auftraggeber soll die Organspende an ein Krankenhaus in Brisbane gehen. Der Medizinkurier Ben erzählt hingegen etwas anderes und verfügt auch über die nötigen Dokumente und Kontakte, um das zu belegen. Die Spenderleber soll an die siebenjährige Ellie (Scarlett Crabtree) gehen, die in einem Krankenhaus in Queensland liegt. Hank wird damit notgedrungen auch zum Helden und weicht von der ursprünglich vorgesehenen Route ab. Das ärgert nicht nur seinen Auftraggeber, sondern auch dessen Hinterleute, ein kolumbianisches Kartell, das die Organspende für seine eigene Chefin weitergeben wollte. Da es Hank anscheinend nicht liefert, muss dies der Sohn der Kartell-Königin (Rodrigo Santoro) mit Hilfe einer Motorradgang selbst besorgen.
Es kracht also bald in „Runner“. Ein in schwarzen SUVs anrollender Gangster-Trupp verfolgt, rammt und durchlöchert Hanks Vehikel und zwingt den eigentlich auf liebenswert gepolten Riesen, sich wieder auf Aggressionen einzustellen, sowie den Lebemann mit dem Organkoffer, für seinen Heldenauftritt viele Überstunden leisten zu müssen. Der auf Action spezialisierte Regisseur Scott Waugh zieht diese Sequenzen entlang der dazugehörigen Verwundbarkeiten auf: Hank beschützt Ben, Ben beschützt die gespendete Leber, und dann gibt es noch einen seltenen Sittich im Auto, den beide aus der Schusslinie ziehen wollen. Die Dynamik der Action ist damit immer komisch grundiert, sowohl der Situation als auch der Beteiligten wegen. Denn natürlich passt die Quasselstrippe Ben so gar nicht zur schweigsamen, pflichtbewussten Bodenständigkeit von Hank. Oder eben verdammt gut. Bald muss der allen taktischen Anforderungen gewachsene Geländewagen gegen ein BMX-Rad getauscht werden, auf dem Hank in die Pedale tritt, während Ben den Beifahrer mimt.
Zwischen Straßenschlacht und Pädiatrie
Die eigentliche Dynamik von „Runner“ verläuft allerdings nicht zwischen smarter Nervensäge und gutherzigem Rammbock, sondern zwischen Straßenschlacht und Pädiatrie-Station. Die meiste Zeit verbringt der Film zwar aufseiten derjenigen, die das Organ ausliefern müssen. Doch auch die Empfängerin Ellie, ihrer Mutter (Leila George) und dem Ärztepersonal kommt eine bedeutsame Rolle zu. Das Geschehen auf der Kinderstation ist jedoch kein ausgefeiltes Drama, das die emotionalen Abgründe auslotet, die dort entstehen, wo ein Kind im Sterben liegt. Vielmehr ist der Nebenschauplatz ein weiterer Regler, den der Film bei Bedarf bis zum Anschlag aufdrehen kann.
Während das Geschehen also zunehmend schneller zwischen der gefährlichen Reise des Spendeorgans und dem bangen Warten im Krankenhaus hin und her springt, dreht der Filmemacher Spektakel und Sentimentalität unverhohlen in die Höhe. Auf dem Highway explodieren ganze Fahrzeugkolonnen; im Biker-Hauptquartier werden Unholde mit Hilfe von Autoantrieben an die Wand geklatscht, und im Krankenhaus spielt Mama das letzte Mal „Wer bin ich“ mit der erschöpften Tochter – das Wesen, das sie nicht zu erraten vermag, während sie ihre Tränen versteckt, ist ein Engel.
Die inszenatorische Brechstange funktioniert in beiden Richtungen gut, weil „Runner“ sie auf eine recht kleine Schablone anlegt. Die bietet nur zwei Konturen, aber mehr braucht es vielleicht auch gar nicht, wenn man sie nur kräftig genug ausmalt.

