Shaun das Schaf – Spuk im Kürbisfeld






- Veröffentlichung01.10.2026
- RegieMatthew Walker, Steve Cox
- ProduktionVereinigtes Königreich (2026)
- Cast
- Empfehlung der Jugendfilmjuryab 6
- IMDb Rating7.2/10 (384) Stimmen
Vorstellungen
Filmkritik
Die Filmgeschichte steckt voller „mad scientists“, verrückter Wissenschaftler – Figuren also, die ihre (Um-)Welt mithilfe von Forschung und Experimentieren zu verändern und gestalten suchen. Ob Dr. Jekyll, der sich mithilfe chemischer Prozesse in Mr. Hyde verwandelt, Victor Frankenstein, dessen Geschichte von der Erschaffung eines künstlichen Menschen im Laufe des letzten Jahrhunderts mindestens zwei Dutzend Mal verfilmt wurde, oder auch weniger düstere Versionen des Archetyps wie Doc Brown aus dem Zeitreise-Kultfilm „Zurück in die Zukunft“.
Ein wolliger Wissenschaftler
Einen „mad scientist“ im wolligen Körper eines Schafs hatte die Filmhistorie bislang aber vermutlich noch nicht in ihrem Repertoire. Was sich mit dem neuesten Stop-Motion-Streich aus dem Hause Aardman Animations ändert: In „Shaun das Schaf – Spuk im Kürbisfeld“ experimentiert die Titelfigur (schon immer um einiges pfiffiger als der Rest der Herde) an in Turbogeschwindigkeit reifenden Kürbissen. Schließlich steht Halloween vor der Tür – und der tollpatschige Farmer hat den von den Schafen sorgsam gepflegten Kürbisgarten zerstört. Weshalb sich Shaun in einer alten Windmühle ein Labor einrichtet, das mit seinen liebevoll gestalteten Details wie fluoreszierenden Gebräuen in bauchigen Kolben, aufwändigen Aufbauten aus Schläuchen und Reagenzgläsern und blitzartig zuckenden elektrischen Impulsen assoziationsreich an die zahllosen filmischen Vorbilder erinnert.
Mit weißem Kittel, Schutzbrille, langen Plastikhandschuhen und wirr hochstehendem (Woll-)Haar auch phänotypisch rollengerecht ausgestattet, verweist Shaun mit einer Form von Persönlichkeitsveränderung – die sich in zunehmender Hybris und irrem Lachen manifestiert – auf die dunkleren unter den verrückten Wissenschaftlern. Folgerichtig kreiert auch der Schafstüftler mit seinem (im wahrsten Sinne des Wortes) Größenwahn nicht nur ein paar auffallend stattlich gewachsene Kürbisse. Sondern entfesselt zudem eine Kreatur, die fortan die Bewohner der „Mossy Bottom“-Farm und des nahen Örtchens Mossingham in Angst und Schrecken versetzt – ein äußerst haariges, äußerst tollpatschiges Wesen. Spurlos verschwunden ist derweil der Farmer …
Wie immer wortlos
Der dritte „Shaun“-Kinofilm, inszeniert von den Aardman-Animatoren Steve Cox und Matthew Walker, steht seinem grandiosen Vorgänger „Shaun das Schaf - UFO-Alarm“ von 2019 in wenig nach. Während es dem allerersten „Shaun das Schaf“-Langfilm (2015), der ersten Kino-Auskopplung der erfolgreichen TV-Serie, noch ein wenig am großen erzählerischen Bogen fehlte, hat man dieses Manko mittlerweile ausgemerzt, sich in Sachen Außerirdische und nun auch hinsichtlich Halloween überzeugende Storys mit langem Atem einfallen lassen. Und so wird erneut ein wahres Feuerwerk an witzigen Einfällen, liebevoll gezeichneten Figuren und kulturgeschichtlichen Referenzen gezündet; neben dem „Verrückter Wissenschaftler“-Rollenfach etwa auch an den Horrorfilm. Natürlich wie immer wortlos – in der Welt der „Mossy Bottom“-Farm verständigt man sich nach wie vor ausschließlich durch Laute, Murmeln, Gesten und Mimik.
Das dabei entworfene Universum zieht seinen Reiz unter anderem aus dem Gegensatz zwischen idyllischem Landleben (beziehungsweise den entsprechenden, genüsslich zitierten Klischees darüber) und den jeweils in Gang gesetzten Abenteuern – die haarsträubend zu nennen sich diesmal besonders anbietet. Es ist im Übrigen eine Welt, die in Verbindung bleibt mit der Gegenwart, die keineswegs gefeit ist vor den Zumutungen unserer Zeit: Aufmerksamkeit heischende Influencerinnen, in Plastikmüll verstrickte Meerestiere, dreiste Paketboten und Handysüchtige gibt es auch in diesem aus Knetmasse geformten Kosmos.
Der Wert von Teamarbeit
Shaun, seine Herde und der treue Hofhund Bitzer müssen im weiteren Verlauf von „Spuk im Kürbisfeld“ also nicht nur das sehnsüchtig erwartete Halloween-Fest retten. Sondern sich außerdem vor dem haarigen Monster in Sicherheit bringen – und, wie etwa schon im ersten Langfilm, den Farmer nach Hause zurückholen. Es geht also wie stets in der „Mossy Bottom“-Welt um Freundschaft und Solidarität, aber auch die Erkenntnis der eigenen Hybris – und den Wert von Teamarbeit. Transportiert wird all dies über eine stimmig geschriebene, glänzend inszenierte und inhaltlich wie formal mit überbordender Detailfreude gestaltete Story, kindgerecht und durch den großen Anspielungsreichtum auch für Erwachsene höchst vergnüglich.

