Wenn die Gondeln Trauer tragen










- Veröffentlichung23.08.1974
- RegieNicolas Roeg
- ProduktionVereinigtes Königreich (1974)
- Cast
- IMDb Rating7/10 (44480) Stimmen
Vorstellungen
Filmkritik
In friedliche Nachmittagsstimmung auf einem englischen Landsitz brechen Unglück und Entsetzen herein. Die kleine Tochter eines Künstlerehepaares ertrinkt beim Spielen in einem Teich. Den Vater überfällt bei seiner Vorbereitungsarbeit für einen Restaurierungsauftrag in Venedig eine Vorahnung, doch er kommt zu spät. In Venedig begegnet das Ehepaar zwei schottischen Schwestern, eine davon blind, die es mit Andeutungen über Christine beunruhigen. Während Laura ihnen vertraut, widersetzt sich John ihrem wachsenden Einfluß. Die beiden sagen Unheil auch für John voraus; Laura versucht, ihn zu einer Unterbrechung seiner Arbeit und zum Verlassen von Venedig zu bewegen. Dazwischen kommt die Nachricht von der Erkrankung ihres Sohnes. Laura fliegt nach London. John ist völlig verwirrt, als er in einem Boot auf dem Canale Grande in drei schwarz gekleideten Frauen seine Frau und die beiden Schottinnen zu erkennen glaubt. Beunruhigt sucht er sie und schaltet sogar die Polizei ein. Aber weder seine Frau noch die Schwestern sind zu finden. Schließlich ruft er in London an. Laura ist bei ihrem Sohn und wird am Abend nach Venedig zurückkommen. Aber sie wird ihn nicht mehr lebend treffen. Die Blinde, die die Katastrophe voraussieht, versucht John zu warnen, doch er läuft in seinen Tod - einer Gestalt in einem roten Mäntelchen nach, wie es seine Tochter trug. Sie entpuppt sich als der Venedig verunsichernde Serienmörder, ein häßlicher Zwerg, der ihn durch einen Stich in die Halsschlagader tötet. Johns Täuschung am Morgen war die Vision seines eigenen Todes. - Diese zwischen Realität und Übersinnlichem angesiedelte Geschichte ist außergewöhnlich delikat ins Bild gesetzt, doch diese Brillanz ist zugleich ein Mangel: die Bilder verselbständigen sich, man vergißt die Handlung über der Faszination durch die erlesene Bildkomposition. Zudem verwirrt Nicolas Roeg den Zuschauer durch Parallel-Montagen verschiedener Handlungsebenen. Roeg, als hervorragender Kameramann bekannt, stand sich als Regisseur offensichtlich selbst im Wege. - Den Einbruch des Grauens, des rational nicht Erklärbaren in das alltägliche Leben hat Hitchcock meisterhaft beschrieben. Nicolas Roeg erreicht trotz der in einigen Passagen beklemmenden Atmosphäre nicht annähernd die Dichte und Geschlossenheit vergleichbarer Hitchcock-Filme. Das liegt weniger an den auffälligen Unglaubwürdigkeiten der Story als an der Überfrachtung mit Symbolen (leeres Hotel, verlöschende Kerze, Ratten, Straßenschild Ponte dei miracolo u. a.). Streckenweise hat man den Eindruck, als sei die Handlung Nebensache, Vehikel für effektvolle Aufnahmen von Venedig, das die eigentliche Hauptrolle spielt. Roeg ist es nicht geglückt, den Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und Irrealem, die Ambivalenz der Figuren deutlich zu machen. Man ist merkwürdig uninteressiert an ihrem Schicksal. Dieser zwiespältige Eindruck verstärkt sich noch in der Schlußzene, als dem sterbenden John das Blut stoßweise aus dem Halse quillt und die Mauer heruntertropft, während die Ereignisse des Films nochmals vor seinem Auge und dem Zuschauer ablaufen. Zweifellos ist Roegs dritter Spielfilm (nach "Performance" und "Walk about") nicht ohne Reiz, aber letztlich doch nicht seiner befriedigend.

